Prüfungsfach Sport – zur Erlangung des Realschul- bzw. Qualifizierenden Hauptschulabschlusses
Schüler gestalten Schule in Thüringen
Der Prozess zur Umgestaltung des Thüringer Erziehungs- und Bildungssystems war im Bereich des Schulsports von Beginn an geprägt durch Zusammenarbeit vieler Träger und Zielgruppen des Sports. Vorstellungen zur Gestaltung von Schulsport wurden in Thüringen unter Federführung des ThILLM im Gedankenaustausch mit Vertretern des freien Sports, insbesondere mit der Sportjugend, mit Schüler- und Elternvertretern, mit bildungspolitischen Sprechern der Parteien, mit Vertretern vieler weiterer Institutionen bis hin zu den Kammern der Wirtschaft erarbeitet. Dabei bildeten Fragen zu Inhalten und Rahmenbedingungen, zu Lehrplankonzepten bzw. Problemen didaktischer Ausrichtung des Unterrichts bis hin zu Grundsätzen der Bewertung Schwerpunkte dieser Zusammenarbeit.
Der Weg von der Idee bis zur landesweiten Umsetzung einer Prüfung im Fach Sport in Thüringen beweist dies beispielhaft. Eine engagierte Schülerschaft hat das aktuelle Bild schulpolitischer Entscheidung zur Prüfung im Fach Sport, ihre inhaltliche Ausgestaltung und rechtliche Einordnung bis hin zur Bewertung stark beeinflusst.
Besondere Anerkennung soll an dieser Stelle noch einmal den Schülersprechern Dirk Daniel und Christian Fuhrmann für ihren persönlichen Einsatz ausgesprochen sein.
| 1994 | Schülerforum zu Fragen und Problemen des Schulsports in Thüringen mit den Schwerpunkten
|
| 1995-1997 | Anregungen für die Hand des Sportlehrers zur Unterstützung der Bewertungspraxis im Fach Sport werden gemeinsam von ThILLM, dem Sportlehrerverband und der Landesschülervertretung erarbeitet. Nach öffentlicher Diskussion unter Einbeziehung der Eltern, von Wissenschaftlern, Schulpraktikern, Vertretern des freien Sports werden die Überlegungen vom ThILLM in der Reihe "Impulse" (Heft 16) 1997 veröffentlicht.
In Vorbereitung auf die Sportlehrpläne führen die Schülervertreter und die Thüringer Sportjugend zur gleichen Zeit eine Schülerbefragung auf Landesebene durch. Schwerpunkte sind Fragen zu gewünschten Inhalten/Lernbereichen und zur Erwartungen an die Gestaltung des Unterrichts. |
| 1995 | Ein zweites Schülerforum setzt sich mit dem Stand der Arbeiten an den Bewertungsmaterialien und dem Lehrplan Sport auseinander. In der Aussprache wird von Forumsteilnehmern beklagt, dass Schüler mit entsprechenden Neigungen für das Fach Sport im Gegensatz zu solchen Fächern wie Kunsterziehung oder Musik ungleich behandelt werden. Die aktuelle Thüringer Schulordnung lässt Prüfungen im Fach Sport auch als Wahlprüfung nicht zu.
Der Kultusminister unterstützt die Bemühungen der Schülervertreter und schlägt die Durchführung eines Schulversuches in Vorbereitung auf eine mögliche Sportprüfung zur Erlangung des Realschulabschlusses in Thüringen vor. |
| 1996 | Die Staatlichen Regelschulen
|
| 1996-1997 | In diesem Zeitraum werden die Konzepte zum Schulversuch für die Schulen sowie für die wissenschaftliche Begleitung erarbeitet. Die Abstimmung erfolgt in Kooperation von ThILLM, Versuchsschulen und der Universität Jena, Sportwissenschaft. Eine Ausgangsbedingung des Kultusministeriums für die Versuchsanlage ist, dass sowohl Sportpraxis als auch Theorie zu prüfen sind. Nach Bestätigung der Vorlagen durch die jeweiligen Schulkonferenzen werden die Konzepte beim Thüringer Kultusministerium eingereicht. Im September 1997 wird der Schulversuch in beiden Schulen gestartet.
Eine intensive Arbeitsphase an den Schulen wird ergänzt durch regelmäßige Abstimmungen zwischen den Schulen und den wissenschaftlichen Begleitern sowie Beratungen mit Schüler-, Elternvertretern und Vertretern des freien Sports , der Politik, um Transparenz über Verlauf und Probleme des Versuches für alle interessierten Gruppen und Einflussnahme auf Modifizierungen zu sichern. |
| 1999 | In Vorbereitung auf die ersten Prüfungen am Ende des Schuljahres 1998/99 legt die Universität Jena, Bereich Sportwissenschaft, im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Begleitung den Entwurf eines Kompendiums für den Theorieteil vor. Das Kompendium wurde in Zusammenarbeit von wissenschaftlichen Mitarbeitern der Universität unter Einbeziehung von Schulpraktikern, Vertretern der Versuchsschulen und des ThILLM erstellt.
Die ersten Prüfungen werden im Juli 1999 nach zweijähriger Laufzeit des Schulversuches durchgeführt. In Nordhausen beteiligten sich an der ersten Wahlprüfung 41% und in Eisenach 49% der Schüler. Im gleichen Jahr begann der Implementierungsprozess geleitet durch das ThILLM. |
| 2000 | Durchführung der zweiten Prüfungen und Abschluss des Schulversuches mit der Evaluierung von Ergebnissen. An der zweiten Prüfung beteiligten sich 46% der Schüler in Nordhausen in Eisenach 63%. |
| 2001-2002 | Überarbeitung des Kompendiums für den Theorieteil der Prüfung mit dem Ziel der Veröffentlichung eines Lehrbuches für das Fach Sport in Thüringen. Nach Auswertung des Schulversuches leitet das Thüringer Kultusministerium Maßnahmen zur Änderung der Thüringer Schulordnung ein. |
| 2003-2005 | Der Schulversuch wird bis zum In-Kraft-Treten der Schulordnung (geänderte Fassung vom 07. April 2004) verlängert. Im Ergebnis können alle Schüler das Recht auf eine Wahlprüfung im Fach Sport zum Erwerb des Realschulabschlusses in Anspruch nehmen. Im Rahmen der geänderten Schulordnung erhalten die sportlich interessierten Schüler darüber hinaus die Möglichkeit, zur Erlangung des Realschulabschluss´ eine Projektarbeit mit fächerübergreifender Themenstellung (sportlicher Orientierung) anzufertigen. 2003 erscheint die erste Auflage "Sport – Theorie für die Sekundarstufe" als Lehrbuch zur Vorbereitung auf das Wahlprüfungsfach. Eine zweite Auflage erfolgt bereits 2005. |