Planungsgrundlage für den Sportförderunterricht

Rahmenorientierungen für den Sportförderunterricht (SFU) in Thüringen

1. Ziele und Aufgaben

Sportförderunterricht ist ein Bestandteil des Schulsports und als solcher verfolgt er dessen Zielstellung, "an Bewegung, Spiel und Sport gebundene Erfahrungen und Erlebnisse zu vermitteln" (LP Sport).
Sportförderunterricht ist in erster Linie ein bewegungserzieherisches Zusatzangebot, vorgesehen für Schüler, deren motorische Entwicklung Defizite aufweist, die vor allem durch Bewegungsmangel infolge unterschiedlichster Einflüsse (Umwelt, Erziehung, Krankheit) verursacht sind.
Bewegung und die damit verbundenen Erlebnisse, Körpererfahrungen stellen einen unverzichtbaren, nicht austauschbaren Bestandteil gesunder Entwicklung eines Kindes dar. Abgeleitet davon steht die Forderung, jedem Schüler im Rahmen seiner individuellen Besonderheiten positive Bewegungs-, Spiel- und Sporterfahrungen zu ermöglichen.

Pädagogisch-psychologische Aspekte

Sportförderunterricht hat vor allem Selbstorganisation von Bewegung, Spiel und Sport, Sozial- und Selbstkompetenz zum Ziel. Ausgehend von einem ganzheitlichen Bildungsansatz, orientiert am altersgerechten sowie individuellen Bewegungsbedürfnis, sollen Schüler motiviert und befähigt werden

Didaktische Aspekte

Sportförderunterricht berücksichttigt die Anforderungen des Lehrplanes Sport, folgt aber nicht der Sachstruktur. Er strukturiert die Inhalte sportartübergreifend, grundlagenorientiert, freizeit- und gesundheitsorientiert.
Sportförderunterricht integriert innovative Lehrinhalte, gestaltet sich aus unterschiedlichen Sinngebungen heraus mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Alltagsmaterialien, bekannten Sport- und psychomotorischen Übungsgeräten.
Sportförderunterricht ist bestimmt durch handlungsorientiertes Lernen, akzentuiert das spielerische Üben und praktiziert situativ lebendiges Lernen, schöpft aus der Phantasie der Schüler und regt ihre Kreativität an.
Der Unterricht findet in kleinen Gruppen (8-15 Teilnehmer) bei weitgehendst individueller Förderung ohne Zeit- und Leistungsdruck statt.

Inhaltliche Aspekte

Unter Berücksichtigung vielfältiger Ursachen motorischer leistungsschwäche gelten nachfolgende Teilziele als Orientierungshilfen. Sie sind entsprechend der Zusammensetzung der Gruppen didaktisch zu interpretieren.

ZieleKlassenstufen 1-4Klassenstufen 5-7
Muskuläre Kräftigung und HaltungsschulungHaltung – Ausdruck psycho-physischer Befindlichkeiten
 
  • Spielideen zum Erfahren muskulärer An- und Entspannung
  • Bewegungsgeschichten
  • Darstellen von Befindlichkeiten
  • Kunststücke mit den Füßen
  • Muskelmann auf dem Abenteuerspielplatz
  • Übungen des normfreien Turnens
  • Fitneßstudio Kinderzimmer
  • bewegter Unterricht in allen Fächern
  • Muskeltraining; Kräftigen und Dehnen
  • Haltung beginnt bei den Füßen
  • Haltung im Alltag; richtiges Stehen, Liegen, Sitzen, Heben, Tragen
  • Akrobatik, Partnerübungen
  • Fitneßstudio Turnhalle
  • Lümmeln - aber richtig
Vervollkommnung elementarer motorischer Fertigkeiten, koordinativer Fähigkeiten Förderung individueller Wahrnehmungsleistungsfähigkeit
 
  • Rollen, Kriechen, Klettern, Drehen,
  • Schleudern, Balancieren in der
  • Erlebniswelt der Schüler
  • Spielideen zur gezielten Sinneswahrnehmung;
  • Materialerfahrung mit Händen und Füßen
  • Kombination von Laufen, Springen, Werfen, mit Orientierungsaufgaben, mit Handgeräten, Alltagsmaterialien
  • Einsatz von Handgeräten psychomotorischen Übungsgeräten Alltagsmaterialien adäquat und innovativ
  • Erlebnis rhythmischer Bewegungsbegleitung mit Geräten, Händen, Füßen
  • Erlebnis rhythmischer Bewegung im Tanz
  • Übungen des normfreien Turnens
  • gezielte Wahrnehmungserlebnisse; Gleichgewichtsfähigkeit in Abhängigkeit von Optik, Akustik, Taktilität
  • Laufen, Springen, Werfen - zunehmend mit sportiver Sinngebung
  • Erlebnis der Bewegungsrhythmen sportiver Handlungen
Verbesserung aerober Ausdauerleistungsfähigkeit
  • Körpererfahrung; Organleistungsfähigkeit, Ausdauerleistungsfähigkeit
  • Animation zu ausdauerakzentuierten sportlicher Aktivitäten
  • Radfahren, Schwimmen, Dauerlauf
 
  • Befähigung zur Gestaltung langsamer langer Läufe
  • Spiel- und Übungsformen zur Entwicklung von Zeit-, Strecken-, Tempogefühl
  • kleine Spiele und spielerisches Üben mit extensiver Belastung;
  • Räumungsspiele, Orientierungsläufe, Fitneßbus, Hindernisläufe
  • Läufe mit Aufgaben, die schnelles Laufen einschränken
  • Schnitzeljagd, Fuchsjagd, Räuber und Gendarm
  • ausdauerakzentuierte sportive Inhalte;
  • Hinderniscross, Biathlon, Orientierungsläufe, Langlaufstaffeln
Abbau sozialer Randstellungen, Korrektur von Verhaltensauffälligkeiten differenzierte Bewegungsangebote (unauffällig), Übungsund Spielsituationen mit Bedingungen für kooperatives Handeln und soziale Interaktionen
 
  • Nachahmungsspiele aus der Erlebniswelt der Schüler;
  • Märchen, Geister, Dämonen, Monster
  • Behutsamkeits-, Entspannungsübungen;
  • Phantasiereisen, "Massagen", Yoga
  • Kooperative Spiele, "New Games"
  • Bewegungstheater, Pantomime; Schulsituation, Alltagssituationen,
  • Befindlichkeiten
  • Zirkus; Jonglieren, kleine Kunststücke, Akrobatik, Clownerie
  • progressive Relaxation
  • Vielfältige Spielregelvariationen,
  • Varianten innovativen Einsatzes von Hand- und Sportgeräten
Förderung sportiver Handlungsfähigkeit Bestätigung und Animation zu freizeitsportlichen Aktivitäten
 
  • Spielen miteinander in der Freizeit
  • ausgewählte Übungsinhalte der Lernbereiche (LP), besonders der Spiele
  • Nutzen von Hilsgeräten; Geräte mit Zeitlupeneffekten, Flugbahnverlängerung, Absprung- und Auftriebshilfen
  • vielfältige Material- und Bewegungserfahrungen; eigene Lösungswege finden
  • Drehungen um Körperachsen
  • Sportgeräte selbst basteln, erproben

2. Planung und Organisation

Die Gestaltungsvorschläge für den Sportförderunterricht erfolgen auf der Grundlage der Empfehlungen der Kultusministerkonferenz vom 26.02.1982 und der Richtlinien des Thüringer Kultusministeriums für Förderunterricht im Schulsport.
Voraussetzung für das Leiten von Sportförderunterricht an den Thüringer Grundschulen, Regelschulen, Gesamtschulen, Gymnasien ist der Nachweis einer entsprechenden Qualifikation.

Auswahl der Schüler

Die Regelung der Teilnahme am Sportförderunterricht erfolgt in Zusammenarbeit von Schulleitung, Sportlehrern, Leitern des SFU, Eltern und Arzt. Die Teilnahme ist freiwillig.